About Dæmons
Was ist ein Dæmon?
Die Dæmonologie folgt dem Konzept, das jedes menschliche Wesen eine Seele besitzt. In diesem Universum nimmt die Seele eines Menschen (und weniger anderer Rassen) außerkörperliche Gestalt an und begleitet einen Menschen in der Regel sein Leben lang. Die Gestalt entspricht der eines Tieres, welche die Persönlichkeit des jeweiligen Menschen reflektiert. Der Dæmon einer Frau ist meist männlich, der eines Manns weiblich. Während die Dæmonen von Kindern noch frei darin sind ihre Gestalt zu wechseln, verfestigt sich diese durch die Erfahrungen, die Lebensumstände und die Charaktereigenschaften eines Heranwachsenden zu einer festen Gestalt. Dieser Prozess, auch Settlement genannt, findet meist mit der Pubertät statt und markiert in vielen Kulturen dieser Welt das Erwachsenwerden.
Dæmon und Mensch sind ein Wesen in zwei körperlichen Gestalten. Entsprechend bedeutet der Tod des Einen auch den Tod des Anderen. Schmerz (sei er psychisch oder körperlich) wird von Beiden wahrgenommen, wenn auch eine körperliche Verletzung oder gar Verstümmelung nicht automatisch auf den anderen übergeht. Daher wird den Dæmon, sprich die Seele, eines Anderen zu berühren als extrem intim betrachtet und ist in den meisten Fällen mit starker Scham oder gar Schmerz verbunden. Ähnlich ist es äußerst unhöflich den Dæmon eines anderen direkt anzusprechen. Die Dæmonen zweier Personen sind dagegen frei einander zu berühren oder miteinander zu sprechen, ihre Interaktion sagt meist viel darüber aus, wie ihre Menschen (tatsächlich) zueinander stehen. Auch wenn Dæmon und Mensch faktisch ein Wesen sind, sind sie nicht zum selben Verhalten gezwungen. Sie repräsentieren im Gegenteil häufig unterschiedliche Charaktereigenschaften. Der Mensch wird die mehr nach außen gerichtete Persönlichkeit und bewusste Charakteristiken tragen, ein Dæmon wird dagegen mehr die verborgenen, unbewussteren vielleicht gar widersprüchlichen Eigenschaften widerspiegeln. Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Wahrnehmung von Situationen und sich unterscheidende Präferenzen sind in gewissem Rahmen ganz natürlich und symbolisieren damit die inneren Konflikte eines Jeden.
Die körperliche Distanz von seinem Dæmon ist in aller Regel nur über wenige Meter hinweg möglich ohne extreme Schmerzen oder gar den Tod zu erleiden. Hiervon gibt es jedoch Ausnahmen. So ist es durchaus möglich die Trennung von seinem Dæmon zu überleben, häufig jedoch nur zu einem hohen Preis. Nur Wenigen gelingt es sich über hohe Distanzen von seinem Dæmon zu trennen ohne schwere psychische Beeinträchtigungen davon zu tragen. Unter diesen außergewöhnlichen Fällen sticht die humanoide Spezies der Hexen heraus, zu deren Kultur ein Ritual gehört in dessen Folge sie sich fast endlos weit von ihrem Dæmon trennen können.
Geburt, Entwicklung & Tod
Der Dæmon eines Menschen manifestiert sich mit dessen Geburt zu einer körperlichen Gestalt. Entsprechend der Entwicklung seines Menschen nimmt auch er zuerst die Gestalt von Babytieren an. Diese Eigenheit behält ein Dæmon bei bis sein Mensch das Erwachsenenalter erreicht hat. Der Entwicklungsstand des Tieres, dessen Gestalt er annimmt, wird also etwa der körperlichen Entwicklung entsprechen, die sein Mensch hat. Nimmt beispielsweise der Dæmon eines noch krabbelnden Kleinkindes die Gestalt eines Vogels an, so wird dieser noch kaum Gefieder ausgebildet haben und noch nicht Fliegen können. Nach seinem Settlement wird ein Dæmon gegebenenfalls noch körperlich an die Maße eines ausgewachsenen Tieres heranreifen, seine grundlegende Gestalt wird er jedoch Zeit seines und des Lebens seines Menschen nicht mehr ändern. Er kann jedoch körperliche Verstümmelungen erleiden oder den psychischen Zustand seines Menschen widerspiegeln. Bei einer extrem schlechten psychischen Verfassung wird dies auch den Dæmon nicht unberührt lassen. Er kann abgemagert, kränklich oder anderweitig mitgenommen erscheinen. Im Gegenzug kann jedoch selbst der Dæmon eines alten, äußerlich gebrechlichen Menschen noch stark und gesund wirken, wenn dies dem psychischen Zustand seines Menschen entspricht. Kleine Verstimmungen oder Glückssträhnen werden dagegen keinen Effekt auf die körperliche Verfassung eines Dæmons haben.
Ein Dæmon stirbt, wenn sein Mensch stirbt, egal aus welcher Ursache. Ein Dæmon kann dagegen nicht aus natürlicher Ursache sterben, seine Lebensspanne entspricht der seines Menschen. Ein Dæmon kann jedoch getötet werden, sein Grad an Verletzlichkeit und Regenerationskraft entspricht dabei der Gestalt des Tieres, die er angenommen hat. Stirbt der Dæmon, stirbt wiederum der Mensch. Ein Dæmon verschwindet im Augenblick in dem sein Mensch stirbt. Für das menschliche Auge kann es wirken als würde er von einem Augenblick zum nächsten zu Partikeln von Rauch werden. Stirbt ein Mensch an Entkräftung oder erliegt einer Krankheit oder Verletzungen, können die Konturen seines Dæmon in seinen letzten Lebenszügen bereits unscharf wirken, dies bedeutet in der Regel einen nahen, unabwendbaren Tod.
Allgemeines
Ein Dæmon nimmt die Gestalt eines Tieres an, er ist jedoch kein Tier. Ein Tier wird einen Dæmon immer als solchen erkennen und sich ihm gegenüber ähnlich verhalten, wie dem Menschen zu dem der Dæmon gehört. Er verfügt aber größtenteils über die Eigenschaften, körperlichen Attribute und Einschränkungen des Tieres dessen Gestalt er angenommen hat. So kann ein Dæmon, der die Gestalt eines Bussards angenommen hat, Fliegen. Der Dæmon, der die Gestalt eines Schweines hat, wird über einen außergewöhnlichen Geruchssinn verfügen. Der Dæmon, der die Gestalt einer Fledermaus hat, kann Echolot wahrnehmen. Gleichzeitig braucht ein Dæmon Wasser um zu überleben, wenn die tierische Gestalt, die er angenommen hat nicht an Land überleben würde. Manche Dæmonen verfügen über keinen guten Sehsinn, aber ein außergewöhnliches Gehör, andere haben andere Stärken und Einschränkungen. Sie prägen das Leben ihres Menschen, ähnlich wie eine körperliche Eigenheit wie Gehörlosigkeit oder ein fehlendes Bein. Ein Mensch mit einem Delfin zum Dæmon wird sein Leben auf und an der See verbringen müssen. Ein Mensch mit einem außergewöhnlich großem Dæmon wird das in der Wahl seiner Wohnung, Transportmittel oder seiner Arbeit bedenken müssen. Entsprechend hat sich jedoch eine statistische Verteilung in der Häufigkeit bestimmter Dæmonen-Gestalten gezeigt, die nicht der Realverteilung an Tieren in der Natur entspricht. So gibt es überdurchschnittlich viele Dæmonen in Gestalt von kleinen bis mittelgroßen Säugetieren, Vögeln, Reptilien und Amphibien. Auch Insekten sind häufig anzutreffen. Außergewöhnlich große oder maritime Tiere kommen dagegen deutlich seltener vor und wenn ist dies meist durch außergewöhnliche Persönlichkeiten oder von den Lebensumständen geprägt. Ein Dæmon folgt mit Einschränkungen den natürlichen Prozessen des Tieres dessen Gestalt er angenommen hat. Er kann bluten, verbrennen, ersticken und auf jede andere Weise verletzt oder getötet werden, die auch das Tier dessen Gestalt sie besitzen verletzen oder töten würde. Ebenso ist es durchaus möglich, dass ein Dæmon Haare oder Federn verliert und diese nachwachsen. Oder auch dass er Narben oder Verstümmelungen davonträgt. Er ist jedoch nicht streng an bestimmte natürliche Lebenszyklen gebunden. Auch hat ein Dæmon keine grundlegenden körperlichen Bedürfnisse er muss weder essen, trinken, noch sich erleichtern. Auch ist Sex mit oder unter Dæmonen oder gar zwischen Dæmon und einem Tier allgemein verpönt und wird als krankhaft angesehen. Es würde nie Nachwuchs aus einer solchen Verbindung hervor gehen können. Allerdings werden Dæmonen von Liebenden in der Regel die Nähe des Anderen suchen und durchaus zärtlich miteinander umgehen. Insgesamt vereinen Dæmonen eine Mischung aus realem Leben und der körperlichen Manifestierung eines rein psychischen Konstrukts.
Dæmon und Mensch sind ein Wesen. Der Aufteilung in Körper, Geist und Seele folgend, stellt der Mensch den Körper und trägt den Geist in sich, während die Seele ihn in diesem Universum in physisch manifestierter Gestalt begleitet. Mensch und Dæmon haben jedoch streng genommen einen Charakter. Doch so wie jeder innere Zweifel und widersprüchliche Züge besitzt, müssen auch Mensch und Dæmon sich nicht immer gleich verhalten. Sie sind sogar in der Lage sich zu streiten oder einander anzuschweigen, bis sie wieder mit einander (quasi „mit sich“) ins Reine kommen. In vielerlei Hinsicht zeigt der Dæmon vor allem die unbewussteren Eigenschaften. Er kann ängstliche Zweifel äußern, während sein Mensch voll Überzeugung ist, er kann als Stimme der Vernunft auftreten oder auch gerade zu unvernünftigen Verhalten verführen. Er ist also die körperlich gewordene ‚Stimme im Hinterkopf‘ oder auch das was Carl Jung als ‚Schatten‘ bezeichnet. Die nach außen häufig verborgenen, zum Teil gar unterdrückten oder geleugneten Eigenschaften und Qualitäten einer Person. Mensch und Dæmon können sich charakterlich also nicht grundlegend unterscheiden (solange sie keine psychische Krankheit haben), da sie ein Wesen darstellen. Aber innerhalb der Bandbreite eines Charakters, können sie jeweils verschiedene Seiten repräsentieren, die je nach Situation mit der sie konfrontiert sind durchaus auch („innere“) Konflikte miteinander austragen können. Ebenso oft werden sie sich aber auch Trost und Unterstützung sein und über Themen sprechen („verarbeiten“), die sie beschäftigen.
Während dem Heranwachsen verfestigt sich die natürliche Veranlagung und die Erfahrungen, die man macht, zu einer Persönlichkeit und einem bevorzugten Rahmen an Verhalten und dadurch nimmt auch der Dæmon feste Gestalt an. Als Kind wird dieser unstete Aspekt des Charakters und der Mangel an Erfahrung, auch als Unschuld bezeichnet, dadurch repräsentiert, dass der Dæmon eines Kindes in der Lage ist seine Gestalt zu verändern. Sie entwickeln sich abhängig von einander. Ein Dæmon muss ähnlich seinem Menschen erst das Sprechen lernen und in der Regel tun sie das gemeinsam und durchlaufen auch andere Entwicklungsstadien zusammen. Beim Annehmen verschiedener Gestalten ist der Dæmon eines Kindes vollkommen frei. Sie sind auch in der Lage Gestalten von Tieren anzunehmen, die das Kind nicht kennt. Kinder deren Dæmonen häufig die Gestalt wechseln und ungewöhnliche Gestalten annehmen, werden allgemein als aufgeweckter, wenn nicht auch intelligenter betrachtet, als die deren Dæmonen nur selten die Gestalt wechseln. Tatsächlich kann der Gestaltwechsel des Dæmons auch direkt mit der Vorstellungskraft des Kindes zusammen hängen, beispielsweise wenn es darum geht, dass der Dæmon die Gestalt eines Tieres annimmt, dessen Eigenschaft ihnen gerade nützlich sein könnte. Seltener kann ein Dæmon in diesem ungefestigten Stadium auch in der Lage sein die Eigenschaften verschiedener Tiere zu kombinieren oder mythische Gestalt anzunehmen. Diese Fähigkeit verlieren sie jedoch, je älter das Kind wird und irgendwann wird ein Dæmon immer mehr bestimmte ausgewählte Formen bevorzugen, bis er sich etwa um die Zeit der Pubertät herum zu einer endgültigen Gestalt verfestigt und nicht länger in der Lage ist die Gestalt zu verändern.
Ein Dæmon besitzt in der Regel das gegenteilige Geschlecht zu seinem Menschen. Der Dæmon einer Frau also männlich, der eines Mannes weiblich. Nur äußerst selten haben Mensch und Dæmon dasselbe Geschlecht und wie alles Ungewöhnliche wird auch dies häufig mit Argwohn betrachtet. Wenn es nicht direkt aus der Gestalt des Dæmons hervorgeht, ist es also durchaus üblich, dass Mensch und Dæmon eine solche ‚Anomalie‘ nicht unbedingt an die große Glocke hängen. Oft genug wird bei Gleichgeschlechtlichkeit von Mensch und Dæmon Homosexualität vermutet, was im Brytannien der 1920er auch in diesem Universum noch immer ein krimineller Tatbestand darstellt. Während dies durchaus der Fall sein kann, ist es jedoch kein Muss und finden sich zum Teil auch unter Jenen, deren Dæmon das andere Geschlecht hat, homosexuelle Präferenzen. Da ein Dæmon in der Regel die unterbewussten Eigenschaften einer Person repräsentiert, findet sich die Gleichgeschlechtlichkeit von Mensch und Dæmon also eher in den Fällen, in denen ein Mann von Natur aus mehr zu allgemein als ‚weiblich‘ verstandenen Verhaltensweisen und eine Frau mehr zu ‚männlichen‘ Verhaltensweisen neigt.
Das wohl größte Tabu im Bezug auf Dæmonen stellt das Verbot dar, den Dæmon eines Anderen zu berühren. Bereits Kinder halten dies streng ein und das Tabu reicht so weit, dass selbst in einem Kampf auf Leben und Tod ein Mensch so gut wie nie den Dæmon seines Gegners berühren würde. Ein Bruch dieses Tabus – egal ob in Aggression oder gar mit der Intention in einer Gefahrensituation zu Helfen – ist in der Regel mit Ekel und Scham bis hin zu Schmerz und körperlichen Schwächeerscheinungen auf beiden Seiten verbunden. Nur in äußerst innigen und intimen Beziehungen kann das Berühren eines anderen Dæmonen statt diese negativen Reaktionen auszulösen, im Gegenteil sogar die Bindung der jeweiligen Menschen symbolisieren und stärken – dies muss nicht zwangsläufig eine sexuelle Beziehung sein, auch wenn dies die häufigsten Fälle sind. Gerade durch die starke moralische Verwerflichkeit und reflexartige Abwehrreaktion, wagen jedoch nur wenige diesen Schritt. Entgegen der weit verbreiteten Vermutung ist dieses Tabu jedoch kein angeborenes Verhalten, sondern wird im Säuglings- und frühen Kleinkindalter instinktiv durch das Verhalten der Bezugspersonen und des Umfelds erlernt. Der Dæmon eines Neugeborenen kennt dagegen noch keinerlei Berührungsängste mit anderen Menschen.
Settlement
Mit der Pubertät nimmt ein Dæmon eine endgültige Gestalt an, die sich Zeit seiner Lebens nicht mehr grundlegend verändern kann. Während der Kindheit waren ihm keine Grenzen gesetzt welche Gestalt er annimmt und abhängig von der Fantasie des Menschen und den Grenzen des Möglichen können dabei ganz unterschiedliche Gestalten heraus gekommen sein, die sich nicht zwangsläufig immer streng an die Gesetze der Natur halten mussten. Die endgültige Gestalt ist dagegen immer ein Tier, das auch in der realen Welt (noch) existieren würde. Die Tatsache, dass nie ein Dæmon ein ausgestorbenes Tier als endgültige Form angenommen hat und die allgemeine Einschränkung des Spektrums, gab bereits einige Forschungsanlass, noch gibt es jedoch keine Antwort darauf, warum dem so ist. Durchaus gängig sind dagegen geringfügige Abweichungen von der natürlichen Form des Tieres, beispielsweise eine ungewöhnliche Augenfarbe oder eine ausgefallene Musterung im Fell oder Gefieder. Größere Auffälligkeiten sind dagegen wieder mit allgemeinem Argwohn betrachtet und wird mit außergewöhnlich exzentrischen Charakterzügen oder gar Verhaltensstörungen assoziiert.
Die Gestalt, die ein Dæmon endgültig annimmt ist von verschiedenen Einflüssen abhängig. Als wichtigste Instanz gilt dabei die sich verfestigende Persönlichkeit eines Heranwachsenden und dabei vor allem die ganz elementaren Grundcharakterzüge. Aber auch die Erfahrungen, gute wie schlechte, die er im Laufe seines Heranwachsens gemacht hat und die ihn geprägt haben, spielen dabei eine große Rolle. Auch feste Erwartungen an die Zukunft (bewusst oder unbewusst) können Einfluss darauf nehmen, welche Gestalt ein Dæmon annimmt. Beispielsweise lässt sich beobachten, dass überdurchschnittlich viele Dienstboten Hunde-Dæmonen haben, während im Adel ausgefallene Spezies unter den Dæmonen häufig und regelrecht ‚erwartet‘ werden. Dennoch kann niemand vorher sagen, welche endgültige Gestalt der Dæmon eines Menschen einmal annehmen wird und nicht wenige wurden am Ende überrascht. Während das Umfeld und die an einen jungen Menschen getroffenen Erwartungen ihn natürlicherweise formen werden und damit auch die Gestalt des Dæmons beeinflussen, bedeutet das nicht, dass das was davon ‚später raus kommt‘, auch das ist, was zu erwarten gewesen wäre. Nicht selten zeigt sich in der endgültigen Form des Dæmons auch die Anpassungsbereitschaft eines jungen Erwachsenen oder aber den Willen nach Veränderung und sich von dem Umfeld in das man geboren und aufgewachsen ist zu befreien. Es ist also durchaus möglich, dass der Dæmon eines jungen Mannes aus einer Familie von Dienstboten mit Hunde-Dæmonen am Ende Gestalt als farbenprächtiger Papagei annimmt. Dies muss jedoch in seinem Charakter oder einer allgemein rebellischen Ader begründet sein und er wird in seinem späteren Leben vermutlich nach einer Position mit höherer Unabhängigkeit streben. Ebenso häufig nehmen Dæmonen von jungen Menschen eine endgültige Gestalt an, die ihren Menschen enttäuscht. Das wird allgemein als ein ‚sich über sich selbst klar werden müssen‘ betrachtet. Nicht jeder der einen Löwen zur endgültigen Form seines Dæmons will, wird als einer enden, denn allein eine Vorliebe für ein bestimmtes Tier gibt keinen Ausschlag auf die endgültige Gestalt. Aber ein Hasen als endgültige Gestalt des Dæmons bedeutet keinen schwächeren Charakter, es bedeutet nur, dass man sich über die eigenen Qualitäten im Klaren werden muss. Das kann eine hohe Wachsamkeit, ebenso wie ein starker Überlebensdrang und eine große Wehrhaftigkeit bedeuten. Auch weniger glamouröse Gestalten zeugen von ihren ganz eigenen Stärken. Und einen Hund zum Dæmon zu haben, bedeutet nicht an ein Leben als Dienstbote gebunden zu sein, es demonstriert viel mehr gewisse Tendenzen im Charakter und Prägung eines Menschen – was man am Ende daraus macht ist noch immer jedem selbst überlassen. Wenn auch Kultur und soziales Umfeld wie üblich ihre Erwartungen und Konventionen setzen.
Der Moment in dem der Dæmon feste Gestalt annimmt, ist und war in allen Kulturen dieser Welt etwas Besonderes. Häufig wird es mit dem Eintritt in das Erwachsenenalter gleich gesetzt und setzt neue Erwartungen und Verantwortung an einen jungen Menschen. Aus alten Kulturen sind ausgedehnte Feste und Zeremonien überliefert die mit dem ‚Settlement‘ eines Dæmons einher gingen und noch heute von manchen Völkern aufrecht gehalten werden. In der christlich geprägten Welt erinnert das ‚Settlement‘ jedoch vor allem auch an die Erbsünde. Haben doch auch Adam und Eva in dem Moment in dem sie vom verbotenen Apfel gegessen haben die endgültige Gestalt ihrer Dæmonen erkannt. Es wird damit gleich gesetzt die Unschuld eines Kindes verloren zu haben und zu einem mündigen, aber auch sündigen Erwachsenen geworden zu sein. In der römisch-katholischen Kirche findet in den Wochen nach dem ein Dæmon endgültige Gestalt angenommen hat traditionell die Firmung statt, es wird als Zeichen des ‚Erreichen des Vernunftgebrauchs‘ erachtet. Und auch wenn im Zuge dessen üblicherweise auch an die Erbsünde erinnert wird und eine demütige Haltung gemahnt wird, haben sich kleine oder auch größere Familienfeiern im Anschluss durchgesetzt. Häufig bekommt der junge Erwachsene dabei Geschenke. Die Eltern schenken dabei meist etwas mit Bezug (z.B. einer Gravur) zu der endgültigen Gestalt des Dæmons. Unter manchen ethnischen Gruppen sind dagegen noch sehr viel größere und symbolträchtigere Feierlichkeiten Brauch. Beispielsweise ist es unter den Gyptern üblich, dass sich die gesamte Gemeinschaft versammelt, der junge Erwachsene dessen Dæmon endgültige Gestalt angenommen hat, geht dann mit einem heißen Schmelztigel durch die Reihen und die Gemeinschaft spendet ihm Silber, das am Ende zu einem Ring gegossen wird, der die endgültige Gestalt des Dæmons zeigt.
Separation
In aller Regel kann ein Mensch sich nur wenige Meter weit von seinem Dæmon entfernen und umgekehrt. Versucht er es dennoch, so ist dies mit erheblichen Schmerzen verbunden. Gerade Kinder und ihre Dæmonen werden mit unter versuchen gegen dieses Band anzugehen, entweder um den jeweils anderen in eine bestimmte Richtung zu drängen oder aber damit der Dæmon z.B. in Gestalt eines kleinen Tieres etwas erreichen kann, wohin der Mensch ihm nicht folgen kann. Dieses mit Schmerzen verbundene Prozess wird auch als ‚Pulling‘ bezeichnet und ist nicht besonders lange zu ertragen. Wie weit ein Mensch und ein Dæmon sich voneinander entfernen können, ist von verschiedenen Dingen abhängig. Vor allem auch von der endgültigen Form und von der Gewöhnung. Ein Vogeldæmon wird sich tendenziell weiter von seinem Menschen entfernen können, um auch mal höher in die Luft steigen zu können. Dem liegt dann aber meist ein jahrelanger Prozess zu Grunde bei dem der Dæmon sich ganz allmählich immer weiter entfernt hat und das Band sich gedehnt hat. Bei einem Dæmon dessen Gestalt in der Regel keine erhöhte Entfernung von seinem Menschen erfordert, wird vielleicht schon zwei oder drei Meter Distanz ein Ziehen auslösen. Betrachtet man gerade auch die Tatsache, dass der Tod des Einen auch den Tod des Anderen bedeutet, sind Mensch und Dæmon allgemein sehr darauf erpicht in der Nähe des Anderen zu sein und die Vorstellung der Trennung ist mit großem Horror verbunden. Einen Mensch ohne seinen Dæmon zu sehen ist vergleichbar mit einem Mensch ohne Kopf, es ist in aller Regel extrem verstörend. Dennoch gab und gibt es immer wieder Fälle in denen Mensch und Dæmon getrennt wurden. Häufig führt der Schock dessen zum unmittelbaren Tod. Es gibt jedoch Fälle in denen beide die Trennung überleben. Doch auch in diesen Fällen kann der Eine nicht überleben, wenn der Andere getötet wird.
Auch wenn es im ersten Moment verwunderlich klingt, gibt es durchaus Fälle in denen Mensch und Dæmon sich einer freiwilligen Trennung unterworfen haben. In diesen Fällen kommt es jedoch meist nicht zu einem Riss des Bandes (also einer echten ‚Trennung‘) zwischen Mensch und Dæmon, sondern zu einer beinahe unendlichen Ausdehnung des Bandes. Dies kann also vollkommen ohne negative Folgen bleiben und auch die Bindung nimmt dabei keinen Schaden, auch wird der eine noch immer den Schmerz des jeweils anderen fühlen, egal wo er sich befindet. Unter den Hexen ist es seit Urzeiten Brauch sich einem Ritual zu unterziehen, bei dem eine Ausdehnung dieses Bandes stattfindet. Die Methoden sind unterschiedlich. Häufig wird eine junge Hexe jedoch dazu verpflichtet ein Gebiet zu durchqueren durch dass ihr der Dæmon nicht folgen kann. Es ist eine äußerst auslaugende und schmerzhafte Prozedur, die immer mit einer gewissen Gefahr verbunden ist, doch wenn es erfolgreich verläuft, können Hexe und Dæmon sich später beinahe grenzenlos voneinander entfernen und völlig unabhängig voneinander agieren. Der Dæmon einer Hexe kann also Botschaften überbringen, während sie einer ganz anderen Tätigkeiten nachgehen kann. Neben Hexen gibt es auch menschliche Schamanen unter denen es Brauch ist, die ‚Trennung‘ (beziehungsweise Ausdehnung des Bandes) von ihrem Dæmon zu vollziehen, meist durch ähnliche ritualisierte Methoden wie die Hexen. Zuletzt gibt es noch eine Reihe besonderer Ereignisse bei denen es ohne die direkte Intention dazu zu einer ‚Trennung‘ kam. Voraussetzung sind jedoch außergewöhnliche Bedingungen oder Willensstärke – und nicht zu unterschätzendes Glück, denn die meisten Situationen in denen Mensch und Dæmon sich über das erträgliche Maß voneinander entfernt haben, resultieren in ihrem Tod oder in ernsten Schäden. Beispiele für diese seltenen Fälle sind von Müttern bekannt, deren Dæmon unbedingt zum Schutz des Kindes bei ihm bleiben wollte, während die Mutter sich aufgrund außergewöhnlicher Situationen, beispielsweise eines Kampfes zu weit entfernen musste. Oder ähnlich tiefreichende Ereignisse, bei denen Mensch und Dæmon sprichwörtlich über sich hinaus gingen.
Davon abgesehen gibt es noch eine Reihe unfreiwilliger Gründe bei denen es zur Trennung von Mensch und Dæmon kam. Häufig wurde in diesen Fällen das Band zwischen Mensch und Dæmon beschädigt oder ist gar gänzlich gerissen. Aufgrund des Schocks, der damit regelmäßig einhergeht, ist es selten dass Mensch und Dæmon dies überleben und falls doch ist dies immer mit schweren psychischen Schäden verbunden. Menschen, die auf diese gewaltsame Art von ihrem Dæmon getrennt wurden, wirken meist apathisch. Sie sind beinahe vollkommen willenlos, zeigen nur noch stark eingeschränkte Grundbedürfnisse und sind davon abgesehen aus eigenem Antrieb kaum mehr zu Motivation oder Einfallsreichtum fähig. Auch ihre Dæmonen sind schwer verändert, sie zeigen keine Berührungsscheu mehr zu anderen Menschen, sind jedoch im Gegensatz zu ihrem Menschen äußerst bedürftig und versuchen zwanghaft Nähe und Schutz zu finden. Ein einmal gerissenes Band kann nie wiederhergestellt werden und ein Mensch wird in diesen Fällen den Schmerz nicht mehr spüren, den sein Dæmon empfindet und andersherum (auch wenn der Tod des Einen, immer noch den Tod des Anderen bedeutet). Diese von ihrer Seele getrennten Menschen sind jedoch körperlich noch immer voll belastbar und stellen ausdauernde Arbeitskräfte, außerdem befolgen sie völlig willenlos jeden Befehl und empfinden kaum mehr Selbsterhaltungstrieb, sie würden sich also ohne zu zögern im Rahmen ihrer Befehle selbst opfern. Diese Eigenschaften sind in gewissen Kreisen äußerst begehrt und es haben sich sowohl kulturelle Praktiken entwickelt, als auch kommerzielle Profitgier, die sich auf die „Herstellung“ dæmonenloser Arbeitskräfte spezialisiert haben. Es haben sich Rituale und Techniken ausgebildet, bei denen die Überlebenschancen einer solchen Prozedur erhöht haben, außerdem überleben Kinder eine gewaltsame Trennung von ihrem Dæmon eher als Erwachsene. Ein auf diese Art getrennter Dæmon eines Kindes, wird die Gestalt behalten, die er im Zeitpunkt der Trennung hatte. In manchen afrikanischen Stämmen und bei den Tartarenvölkern werden diese Praktiken zum Teil als alte Kulturtechniken überliefert, teils als Methode der ultimativen Unterwerfung eines Gegners, teils als freiwillig gewählte Hingabe. In der afrikanischen Kultur werden auf diese Art dæmonenlos gemachte zum Teil Zombis genannt. Davon abgesehen hat es schon immer skrupellose Kräfte gegeben, die ihre Profit- und Machtgier durch solche ‚abgeschnittene‘ Arbeitskräfte und Untergebene stillen wollten und es haben sich florierende Sklavenmärkte dahingehend entwickelt. Selbst wenn annähernd alle Länder dieser Welt die endgültige Trennung von Mensch und Dæmon als schwere Körperverletzung und geistige Verstümmelung verbieten und verurteilen. Aber nicht nur abgeschnittene Menschen werden verkauft. Auch für abgeschnittene Dæmonen hat sich ein Markt entwickelt und in manchen Ländern sind besonders arme Familien versucht die Dæmonen ihrer Kinder zu verkaufen und finden gut zahlende Abnehmer, falls Kind und Dæmon die Trennung überleben. Neben diesen kulturellen oder finanziell motivierten Gründen war die Trennung von Mensch und Dæmon in den letzten Jahrzehnten verstärkt Fokus der Wissenschaft, wenn auch von offizieller Stelle verpönt und gesellschaftlich als unmoralisch und barbarisch verschrien. Die gewaltsame, endgültige Trennung eines Menschen von seinem Dæmon setzt unvorstellbare Energie frei. Die Gründe hierfür sind jedoch unbekannt, haben jedoch seit der ersten Feststellung dessen, immer wieder im Geheimen Versuche und Experimente angeregt. Daneben existiert ein, bisher vor allem philosophisches Konstrukt, dass sich mit dem Vorfall der Erbsünde und dem Settlement der Dæmonen beschäftigt und Fragen stellt, in wie weit die Trennung von Dæmon und Mensch – unter gewissen Voraussetzungen – bessere Menschen schaffen könnte. Bisher fanden diese Strömungen jedoch nur wenig Resonanz. Zuletzt gibt es auch für die unfreiwillige Trennung von Mensch und Dæmon eine Reihe außergewöhnlicher, unbeabsichtigter Gründe. So können Mensch und Dæmon durch eine Naturkatastrophe oder ein großes Unglück voneinander getrennt werden und dies in wenigen Fällen überleben. Auch hier ist häufig eine Beschädigung des Bandes und schwere psychische Traumata die Folge.
Andere Spezies
Nicht nur Menschen besitzen Dæmonen, auch andere humanoide Spezies in dieser Welt, wie Hexen oder Feen, werden von ihrer Seele in Gestalt eines Tieres begleitet. Da sie jedoch das Leben in der Zivilisation in aller Regel meiden, sind auch ihre Lebensweise und ihre Bräuche, für manche gar ihre Existenz mehr ein Gerücht. Wenig ist allgemein über sie oder ihre Dæmonen bekannt.
Die Dæmonen von Hexen nehmen wohl ausschließlich die Gestalt von flugfähigen Vogelartigen an und es heißt sie könnten sich über viele Meilen hinweg von ihren Dæmonen entfernen, aber die Wenigsten, die nicht in abgelegenen Regionen leben, sind je einer Hexe begegnet. Noch weniger je einer Fee, deren Dæmon nicht aus einem einzigen Tier sondern einem gesamten Schwarm kleiner Tiere wie Schmetterlingen oder Libellen bestehen kann.
![[Bild: nico-s.png]](https://i.ibb.co/BzLRBDj/nico-s.png)

