Ich warf einen gelassenen Blick zur Seite, drehte mich ein wenig, dann legte ich meinen Hut auf der nahen Kommode ab, um mich dann wieder mit freien Händen entspannt unserem irischen Freund zuzuwenden. Doyles Gesicht schien sich zu verdunkeln während seine Kiefermuskulatur hart wurde wie sein Blick. “Wenn ihr glaubt ihr könnt hier rein kommen und –" Falsche Wahl. Das Lächeln auf meinem Gesicht war von einem Moment zum anderen weggewischt. Keine Spielchen mehr, an die Arbeit. Nur ein paar brutale Schritte zum Schreibtisch und ich hatte dem Drecksack das Wort abgeschnitten. Mit einer Hand hinter seinen Schädel gegriffen knallte ich ihn mit der Stirn auf seinen eigenen Schreibtisch, bevor ich ihn dort mit der Hand fixierte und mit der anderen in meinen Rücken griff, um mit einer raschen routinierten Bewegung mein Messer hervorzuholen. Es war ein handliches Messer mit gebogener zweischneidiger Klinge. Ein Karambit, wie sie es in Asien zum Reisschneiden verwendeten hatte mir der Messerschmied erklärt bei dem ich es gekauft hatte als man Otis und mir das erste Mal erzählt hatte, dass zum Hexerdasein ein Ritualdolch gehörte. Nicht direkt ein Dolch, dafür eine in meinen Augen sehr viel zweckdienlichere Klinge und nebenbei bemerkt noch wunderbar für den Kampf geeignet. Der dunkle Holzgriff war so lang wie die Klinge und besaß an seinem Ende eine metallene Schlaufe. Einen Finger hindurchgeschoben und jeder Schnitt mit dem Messer saß.
Doyle hatte die Hände reflexartig auf die Tischplatte gelegt. Er versuchte sich damit hochzustemmen und gegen meine Hand auf seinem Schädel zu kämpfen. Noch bevor er auf die Idee kam, vielleicht nach mir zu greifen, hatte ich mein Karambit umgedreht, die Metallschlaufe auf seinen Ringfinger geschoben und bis zum Fingeransatz durchgezogen bis ich den Widerstand fühlte. Doyles Kampf endete abrupt als ich etwas Druck ausübte. “Noch ein so ein Wort und ich brech dir den Finger.“ Meine Stimme war kühl. Ich hätte kein Problem gehabt es zu tun. Doyles Stimme aber klang nervös und auf eine verzweifelte Art bockig. “Tus doch, James, tu doch was du willst!!!“ Ich erhöhte noch einmal den Druck. Doyle wimmerte. “Bist du sicher? Du könntest es dir für eine ganze Weile nicht mehr selbst besorgen. Das könnte teuer für dich werden, Doyle, jeden Abend ein Mädchen. Mit Verkrüppelung zahlst du doppelt.“ Stur und ungerührt verstärkte ich noch einmal den Druck. Nicht mehr viel und der Knochen würde darunter brechen. Doyle war ein unnötig sturer Bock. Aber er wimmerte nur noch, das war ein gutes Zeichen.
Er fiepte irgendwas unter mir. Ich beugte mich noch ein wenig zu ihm herunter und drehte den Kopf so, dass mein Ohr in einer übertriebenen Geste auf ihn gerichtet war. “Was? Wie bitte?“ - “Ich gebs zu!“, krächzte es halb brüllend. “Ich gebs ja zu!“ Noch ein kleines bisschen Druck. Bis an die Grenze der Belastbarkeit. “Wer?“, fragte ich nüchtern. “Die O’Connells! Die O’Connells…“, wimmerte es. Plötzlich Tumult unter uns im Erdgeschoss. Stimmen, Schritte. Viele Schritte. Möbel kippten um. Ich sah von Doyle auf, mein Blick traf Otis. Der Bastard Doyle hatte einen Jungen losgeschickt.

