Es war genau in diesem Moment, als mehrere Dinge gleichzeitig geschahen, Cyneburg wurde unruhig, die Dohle vor dem Fenster hatte begonnen aufgeregt gegen die Scheibe zu flattern, unten brach tumultartiger Lärm aus und mein Blick begegnete dem von Ardin. Ich stieß mich von der Wand ab. Mein Hut landete achtlos auf Doyles Schreibtisch, als ich mit zwei knappen Schritten zu Ardin aufschloss. Doyle begann jetzt zu brüllen, wie am Spieß, schneller als einer von uns ihm hätte das Maul stopfen können, ich konnte nur hoffen, dass Ardin ihm wenigstens den Finger dafür brach. Damit war unsere Position verraten. Die Pistole aus Bow Street Tagen, trug ich bei mir - alte Gewohnheit. Aber ihr Nutzen lag im Moment der kalten - vorbereiteten - Überraschung nicht der hitzigen Gewalt und ersteren hatte Doyle uns gründlich verhauen. Schwere Schritte polterten die Treppe hinauf. Cyneburg hatte sich vom Fenster gelöst, ihr drahtiges Nackenfell stand aufrecht und sie hatte sich angespannt grollend seitlich von mir positioniert. Wie sehr ich mir jetzt den Knüppel eines Uniformierten gewünscht hätte. Die Tür schwang krachend auf. Zwei Männer traten ein, die sich bis auf eine hässliche Narbe, die sich dem einem von Auge bis Mundwinkel zog, nicht ähnlicher hätten sehen können. Knapp ging meine Blick zu Ardin. Die verdammten Zwillinge - hatten die nicht vor kurzem noch in die Windeln geschissen, während die Massen vor Newgate aufgelaufen waren, um den unseligen Vater der Jungen baumeln zu sehen? Wir wurden eindeutig zu alt für diese verfluchte Drecksarbeit, wenn wir schon die Generationen der Verbrecherschaft überlebten. Drei Mann folgten den Zwillingen.
„Sieh an“, triumphierte der mit dem noch hübschen Gesicht. „Selbst die Peelers machen uns die Aufwartung.“ Ich zog die Mundwinkel tiefer, während ich abwägend den Kopf schief legte. Was für eine gestochene Ausdrucksform unser junger Prinz hatte, ob er das in Mamas Groschenroman gelesen hatte? „Was ist?!“, keifte der Vernarbte mich an. Ich sah ihm unbeeindruckt entgegen. „Oh. Nichts. Ich bin nur beeindruckt. Bildung für die Armen funktioniert scheinbar doch. Wenn ich mich richtig erinnere, konnte euer Vater nicht einmal sein Geständnis mit dem eigenen Namen unterschreiben.“ Ich hatte leise gesprochen, aber sah den Vernarbten direkt dabei an. Seine Reaktion verzögerte sich nur für wenige Sekunden, doch noch bevor er mir an die Kehle gehen konnte, hatte sein Bruder ihm die Hand vor die Brust geschlagen, um ihn aufzuhalten. Stoßweise entwich mir der angehaltene Atem. So knapp. Aber der Prinz schien etwas wie Verstand zu besitzen. Unsere beste Chance wäre, wenn die Gruppe den Kopf verlor, das war unsere Gelegenheit uns hier rauszukämpfen. Blieben sie in Formation hatten wir nicht die geringste Chance. „Warum so unfreundlich, mh?“, fuhr der Prinz im salbungsvollen Tonfall eines Mannes fort, der wusste, dass er die absolute Kontrolle über die Situation hatte. „Wie wär's wenn ihr uns erst einmal den guten Doyle rüberschickt?“ Dabei wanderte der Blick des Prinzens hinüber zu Ardin.

