Stattdessen wandte sie sich ab, wie von einer Minute zur Anderen aus einer Starre befreit, die sie bis eben fest im Griff der Überraschung gehalten hatte, öffnete unsere Wohnungstür und hielt sie Otis auf um einzutreten. „Komm rein. Komm rein!“, sagte sie, zaghaft erst und dann energischer, als formte sich in ihrem Kopf ein Plan. Und ich wusste, dass ich mich nicht sorgen musste, was ich ihr antat – sie hätte mich geschlagen, hätte ich diese Formulierung auch nur einmal in den Mund genommen. Sie wusste was sie an mir hatte, dass ich ihr blutendes Gesindel mitten in der Nacht ins Haus schleppte. Aber sie wusste, wer dieses Gesindel war. Und sie konnte nicht zusehen, wenn jemand in Not war. Und wäre sie gänzlich nackt gewesen, sie hätte noch geholfen. Das war Margory. Das war sie schon immer gewesen. „Komm schon rein!“
Ich folgte Otis die letzten Stufen nach oben, warf noch einen letzten Blick in den Flur und wartete dann darauf dass alle in der Wohnung verschwanden. An Otis und Margory vorbei konnte ich Patrick in der Stube stehen sehen, ebenfalls im Nachtrock, der scheinbar gerade erst aus dem Kinderzimmer gekommen war. Vermutlich hatte er die Stimmen gehört und sich gesorgt. Er war ein guter Junge. Der beste. Er würde nach den Kleinen sehen, damit sie nicht vor die Tür kamen. Dabei immerhin war ich mir sicher.

