Jetzt stand diese Frage im Raum, diese flehende Bitte meinerseits, die sich beinahe ebenfalls nur durch meinen Sturz erklären ließ. Der gesunde Menschenverstand in mir brüllte dagegen an was ich da von Otis forderte. Aber es war als müssten diese Worte ausgesprochen werden. So lange bis sie eben im Raum standen. Mitten zwischen uns auf dem Küchentisch. Ich starrte in Otis Rhodes Blick. In seine Augen, die mich ebenso starrend unbewegt ansahen als hätte ich Otis bei einem Verbrechen ertappt. Der Herzschlag in meinen Ohren pochte nur umso lauter während ich die Luft anhielt.
„Ardin… Alles was in meiner Macht steht. Ich werde es tun“ Einen Moment länger als nötig sah ich Otis noch an, dessen Blick weiterhin nicht brach. Wagte dann erst wieder zu atmen, die Lippen aufeinander zu pressen und zu nicken. Als wäre es ein Schwur. Schon der nächste Pakt, den wir an diesem Morgen schlossen.
Schließlich wandte ich fast gewaltvoll den Blick ab, konzentrierte mich auf meinen Atem, richtete die Augen auf Jackdaw, die mich stumm ansah als sei sie selber ehrfürchtig geworden vor den Dingen, die wir gesagt hatten. Ich nickte noch einmal, wie zu mir selbst. Ich hatte die Antwort, die ich brauchte. “Danke.“, antwortete ich mit brechender Stimme, sah dann noch einmal kurz zu Otis um ihm meinen Dank auch zu zeigen, ihn nicht nur auszusprechen. Sah dann wieder zu Jackdaw. Ich konnte nicht sagen, dass es sich leichter anfühlte nun zu atmen. Aber es war geschafft.
Jackdaw machte mich auf den Stand der Sonne aufmerksam und zum ersten Mal war ich dankbar für ihre pingelige Drängelei und ihre aufkommende Panik sobald wir auch nur ein Stück von einem gesetzten Zeitplan abwichen. Kurz sah ich zur Versicherung auf das beschienene Dach gegenüber. Ein ungewohnt klarer Tag. “Es wird Zeit, sie werden bald aufstehen.“, erklärte ich, richtete den Blick zurück auf Otis und presste fast entschuldigend die Lippen aufeinander. Ich griff in meine Westentasche, klappte den verbeulten Deckel meiner Taschenuhr auf und warf einen kurzen Blick darauf. Es stimmte. Es wurde Zeit. Schließlich stand ich auf, schob den Stuhl zurück an den Tisch. Mein Blick fiel auf Otis‘ Jungen, der am Boden mit Cyneburg verschränkt schlafend zusammen lag. Ein friedlicher Anblick, den ich mit ernstem Blick musterte. “Komm heute Abend zum Essen.“, schlug ich vor und es war das erste Mal, dass es nicht Margory war, die Otis einlud. “Es wird ihm guttun, dich bald wieder zu sehen. Zur Eingewöhnung.“

