Ich fand die richtige und blieb stehen.
„Das ist ein Scherz, oder?“, fragte ich zweifelnd in diesem Tonfall, der sagte, dass ich wusste, wenn ich verarscht wurde. Ich blickte auf das Haus auf der anderen Straßenseite. Es war das einzige in der Reihe mit einer schwarzen Tür.
„Die lassen sich alle eine Scheiße einfallen… Jeder was Neues.“ Wenn man es genau nahm, war eine schwarze Tür noch das harmloseste was wir bisher gesehen hatten von all den Scharlatanen, die wir bisher erfolglos besucht hatten. Allesamt hatten sie sich dunkle Zeichen für ihre Häuser und Wohnung einfallen lassen, alle hatten sie sich Hexen genannt, keiner war es gewesen. Wie ich dieses frustrierende Spiel hasste. Und jetzt eine schwarze Tür? „Wenn die keine Hochstaplerin ist, weiß ich alles, Rhode.“, meckerte ich weiter und ließ den Blick die Straße hinauf und hinunter wandern, als könnte uns irgendeiner beobachten und die Wetten annehmen, die von nun an abgeschlossen werden würden. Darauf ob wir die Strecke umsonst gemacht hatten, oder... Unwahrscheinlich. Ich war sicher, dass wir umsonst hier waren. Wegen nichts als einem Hirngespinst aus Otis‘ Kindheit von dem man nicht einmal mehr sagen konnte, ob er damals nicht einfach heftig auf den Bordstein geknallt war.
Eine dunkle Kutsche rollte vorbei, zwei trabende Schimmel vorgespannt, die nicht zu vergleichen waren mit den Kleppern, die sich durch Whitechapel schleppten. Ich folgte ihnen mit dem Blick, wartete bis die Straße frei war, um sie dann gemeinsam mit Otis zu überqueren. Als wir am Zaun angekommen waren, flatterte Jackdaw vom Himmel herab. Ich schickte die Dohle ans Fenster. Sie ließ sich neugierig auf das Fenstersims hinab sinken, klappte ihre Flügel ein und stolzierte an der Glasscheibe entlang auf der Suche nach etwas, das sich dahinter im Inneren des Hauses verbergen mochte. Ich betrachtete die dunkle Tür vor uns, atmete tief durch, machte dann einen Schritt zur Seite um Otis den Vortritt zu lassen. „Bitte sehr der Herr, lassen Sie Ihre alte Bekannte nicht warten!“, spottete ich finster und streckte den Arm in Richtung der Tür aus, die Höflichkeit in Person. „Sie verzehrt sich sicher schon nach dir.“, biss ich ihm noch hinterhältig entgegen, um ihn die zwei Stunden Fußmarsch, die ich hinter mir hatte, noch einmal gehörig spüren zu lassen.

