Ardin blieb stehen, ich betrachtete das Haus prüfend und muss missgünstig feststellen, dass es wohl das Richtige sein mochte und ich nicht einmal etwas einwenden konnte. Aber natürlich beließ James es nicht dabei, das richtige Haus gefunden zu haben, nein, er lamentierte direkt weiter vor sich hin.
„Wär‘s dir lieber, wenn die wieder einen aufgeknüpften Hahn vor der Tür hängen hätte?“, brummte ich mürrisch zurück. „Der bei der letzten hing da bestimmt schon seit zehn Tagen dem Gestank nach.“ Nicht dass es bei jenem schäbigen Kabuff nahe der Themse, in das uns unsere letzte Suche geführt hatte, noch darauf angekommen wäre, dort war der Gestank ohnehin allgegenwärtig. Ich war trotzdem froh keinen toten Hahn oder anderen vermeintlich schwarzmagischen Hokuspokus vor der Haustüre hängen zu sehen. Nein, die Adresse hier war sauber und gepflegt. Ein seltener Anblick. Nicht nur für eine angebliche Hexe auch… – mein Blick ging fast ein wenig scheu die Straße auf und ab… – ganz allgemein. Ardin und mich hatte es vor etwa acht Jahren nach Whitechapel versetzt und entgegen seines Rufes hatte auch unser Viertel die gepflegteren Straßen, sauber und ruhig, aber dort waren wir selten zu Gast. Es war merkwürdig wie sehr man sich an den Anblick dreckgesäumter Straßenzüge, heruntergekommener Häuser und ausgezerrter Gesichter gewöhnen konnte. So sehr, dass es einen fast einschüchtern konnte, ließ man all das hinter sich und stand in einer Straße auf der Westseite der Themse, einer Straße wie dieser. Einer Straße, die einen beinahe glauben ließ, dass der vielfach gepriesene Fortschritt in all den rasenden Veränderungen unserer Zeit tatsächlich den Weg in eine bessere Zukunft bereiten könnte.
Wir hätten falsch sein müssen, denn von einer schwarzen Tür unter lauter minzgrünen Exemplaren in der unmittelbaren Nachbarschaft einmal abgesehen, wer erwartete hier schon eine Hexe? Mit sauber gestrichenem gusseisernem Zaun vor dem gepflegtem Vorgarten und in guter Umgebung. Doch genau dieser Fakt nährte meine Hoffnung. All die Anderen hatten gewirkt als seien sie die düsterste Saat des Teufels und keiner davon hatte sich als Hexe herausgestellt. Hier dagegen… Hochmütig begegnete ich Ardins Blick als er geradeso weitermeckerte. Dabei musste ich mir selbst eingestehen – und der Dunkle Herr bewahre, dass ich Ardin das eingestand – dass ich trotz jedem Tipp, trotz jeder verschwommenen Erinnerung, trotz jedem Bauchgefühl mit jedem Schritt unsicherer geworden war. Wäre eine Menge verschwendete Energie und Zeit, wenn das hier ein weiterer Reinfall werden sollte und das sollte diese teufelsverfluchte Betrügerin, so sie denn eine war, zu spüren bekommen – davon hatten wir verdammt nochmal zu viele gehabt in letzter Zeit. Aber das würde auch nichts daran ändern, dass Ardin James mir das in diesem Fall bis zu meinen Lebensende vorhalten würde. Ich schnaubte spöttisch über Ardins nächste frotzelnde Kommentare, hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich erwartet, dass ihm das Maul mittlerweile so sehr schmerzte wie die Füße, aber darin war der Knabe unerwartet ausdauernd. Kurz entschlossen trat ich an James vorbei, bereits drauf und dran mit der Faust gegen die Türe zu hämmern, als ich mich eines besseren besann. Ich betätigte den schweren Türklopfer ganz wie sich das gehörte und Ardin auf meiner einen, Cyneburg mittlerweile zu meiner anderen Seite wartete ich geduldig ab.

