Ein Schlag vor die Brust und Otis‘ gezischte Worte. Ich bemerkte wie er sich umsah. Fast darauf heischend, dass jemand den Fehler machte, in unsere Richtung zu blicken. Aber war mir in diesem Moment gleichgültig wer mich sah und was der dachte. Whitechapel, die Leman Street, das war alles so unendlich weit weg als gehörte es zu einem anderen Leben. Ich wollte mir die Seele aus dem Leib heulen wenn nötig. Und wenn sie mich dafür lynchten, dann sollte es eben so sein. Und trotzdem stoppte das Schluchzen in dem Moment in dem Rhodes Hand auf meine Brust schlug. Presste ich die Lippen zusammen wie der erbärmliche Tropf der ich war. Und dann waren da mit einem Mal Jackdaws Gedanken in meinem Kopf. Ihr vertrautes Genörgel und Gezeter. Ich musste die Verbindung zu ihr wieder geöffnet haben in all meiner Sehnsucht. Und sie fühlte diese Sehnsucht und hielt vollkommen perplex inne in ihrem Geschimpfe, nur um wenige Atemzüge später panisch zu fragen wo Cyneburg steckte und ob Otis nicht aufpasste. Wie sie mich jetzt regelrecht anschrie draußen von ihrer Dachkante aus, ich sollte dem nicht nachgeben. Ganz wie Rhode. Reiß dich zusammen, James. Ich riss mich mein ganzes verdammtes Leben lang zusammen. Warum durfte ein Mann nicht zusammen brechen wenn ihm danach war?
Fast stur sah ich jetzt geradeaus ins Nichts, ohne einen Punkt zu fokussieren. Blicklos nahm ich noch einen Schluck aus der Ginflasche, presste die feuchten Lippen aufeinander, zog dann die Nase hoch, um schließlich den Blick wandern zu lassen. Jetzt suchte ich nach den Blicken. Nicht mehr Rhode. Nach den Leuten, die in unsere Richtung sahen. Um ihnen die Lektion ihres Lebens zu erteilen. Oh ich war bereit dafür! Aber den Gefallen tat mir niemand. Alle waren sie mit sich selbst beschäftigt. Wie es so häufig war. Ich sollte froh sein fand Jackdaw. Aber sie wusste wie gerne ich mich jetzt geprügelt hätte. Störrisch presste ich die Lippen zusammen und wandte den Kopf zu Rhode. “Denkst du, dass ich ein Feigling bin?“, fragte ich geradeheraus. Es hatte kampflustig klingen sollen, aber in meinen eigenen Ohren klang es nur verzweifelt und erbärmlich. Als könnten Rhodes Worte über alles entscheiden das ich war und das ich jemals gewesen war. “Denkst du ich bin einer, Otis-Road?“ Dabei hatte Otis‘ Wort nie etwas für mich bedeutet. Aber wenn ich es genau bedachte, dann war das Quatsch. Was Otis dachte war schon immer so viel wichtiger gewesen als der Rest dieser vermaledeiten Stadt.