Eine Offensive aus Vogel und Hund tat wahre Wunder, wie ich amüsiert feststellte. Selbst bei einer Ginleiche wie James. Ich band mir gerade die Krawatte während ich mir das Spektakel ansah und die Hündin soeben Ardin das Gesicht abschleckte. Cyneburg hatte auch absolut keinerlei Würde in diesem schäbigen Pelz übrig, ließ ich sie feixend wissen. Immerhin der James war jetzt mal wieder gründlich gewaschen. Und er hatte recht offensichtlich geschlafen, das hatte er doch wollen, nicht wahr? Selbst wenn ich mir darüber nicht mehr so sicher war. Auf der anderen Seite: wann hatte ich schon je gewusst, was der James wollte? Und hät' ich's gewusst, es hätte mir ehrlich Sorge bereitet. Allmählich regten sich die Lebensgeister bei Ardin - jedenfalls ein paar mehr als in der vergangenen Nacht noch. Was gut war, denn ich hatte nicht vor James auch noch in die Leman Street zu schleppen. Nein, das sollte er jetzt mal schön auf eigenen Füßen schaffen. Aha, sogar sprechen konnten wir direkt wieder. Wie wundervoll. Cyneburg meinte stolz, dass ich ihr nicht zu danken brauchte. Nicht dass ich das vorgehabt hatte. Ich schnaubte spöttisch, während Cyneburg auf den Kommentar bezüglich der Leine beleidigt grollte und mit einem Satz aus dem Bett sprang. Sie streckte und schüttelte sich. Dann gähnte das Vieh ungeniert ausgiebig, als wäre sie es gewesen, die in der Nacht kein Auge zugetan hatte. Ich ging hinüber zum Herd, goss aus der globigen Tonkaraffe - einem Hochzeitsgeschenk von Judiths Eltern, das ich nie hatte leiden können und das mir in all den Jahren nicht den Gefallen getan hatte zu zerspringen - eine Tasse Wasser ein. Das hier kam nicht frisch aus der Leitung, es war abgekocht und ich bewahrte einen Silberlöffel in der Karaffe auf, ganz wie sie es einem in der Armee beibrachten, wenn sie einen ins Hinterland einer Kolonie schickten. Aber ich traute dem Wasser so nah an der stinkenden Themse auch nicht weiter als dem in den Büschen von New South Wales. Egal was die Water Company über ihre Bezugsquellen erzählte. Kommentarlos ging ich mit der Tasse hinüber zu James und hielt sie ihm hin. Besser er hätte schon in der letzten Nacht etwas Wasser getrunken, aber ich hatte ihn ja doch nicht noch einmal wach bekommen. Ob es den Effekt von annähernd einer ganzen Flasche Gin noch hätte dämpfen können konnte ich ohnehin nicht sagen. Nicht dass ich das Experiment nicht häufig genug gemacht hatte, feixte Cyneburg direkt wieder darauf los. Den höllischen Durst danach kannte ich jedenfalls, musste ich dem dämlichen Köter zustimmen.
Ob ich ihn in meinem Bett hatte schlafen lassen. Na, wenn der James schon wieder in der Lage war so beispiellos das Offensichtliche aufzuzeigen, dann war er ja schon wieder fast auf der Höhe seiner geistigen Fähigkeiten.
''Wenn du allerdings sowas wie Frühstück willst, dann hätt'st du's dir nicht mit deiner Frau verscherzen sollen'', ließ ich den James bissig wissen. Ihn in meinem Bett schlafen zu lassen war das eine, aber dass er mich darauf hinwies... Mir auch noch auf diese offensichtliche Art verdeutlichen musste, dass solche Nachsichtigkeiten eigentlich keinen Platz in unserem Stand zueinander hatten. Als ob ich das nicht selbst gewusst hätte. ''Bleibt nur zu hoffen, dass du noch nicht die ganze Coster-Sippe gegen uns aufgebracht hast, sonst kriegst du statt Saloop nur ein paar alte gebrauchte Teeblätter für den Magen'', malte ich die düstere Vision, wohlwissend dass Ardin mir wohl noch nicht so wirklich würde folgen können, einfach nur um den James möglichst vom Thema abzubringen. Und es war schließlich wirklich so, das Zeug half wie kein anderes beim nüchtern werden und man bekam es an jedem Frühstückskarren der Costers. Selbst wenn ich befürchtete, dass bei dem James nicht einmal ein ganzer Topf Saloop helfen würde. Besser wir bekamen ihn in die Leman Street und von dort wieder auf die Straße und dann irgendwohin, wo er noch für ein paar Stunden seinen Rausch würde ausschlafen können. Wir. Ja. Wir, wir, wir. Es würde am Ende ja doch nur auf mich zurückfallen, wenn Ardin den Dienst versäumte. Von Mulligan. Und was viel schlimmer war von Margory und den Kindern, allen voran meinem Jungen. Die Blöße würde ich mir gewiss nicht geben, selbst wenn es bedeuten würde in dieser Sache dem James zuarbeiten zu müssen.