Meine Mundwinkel zuckten höher bei James‘ Worten. So war es doch schon wieder viel besser. Ordnung wieder hergestellt. Kein Wort davon, dass ich ihn durch halb Whitechapel geschleppt und in meinem Bett hatte schlafen lassen, alles schon wieder vergessen, noch während der James in eben jenem lag. So konnte ich das schon um einiges besser mit meinem Gewissen vereinbaren. Wenn dem James bei seinen Saufeskapaden behilflich zu sein bedeutete dem James dabei eins auszuwischen, dann konnte ich die Sache nach Herzenslust auskosten. Ob mir bewusst war, was ich war? Ich lächelte salbungsvoll. Und wie ich das wusste. „Vollkommen“, erwiderte ich voll Süffisanz und beobachtete Ardins dürftige Versuche in eine aufrechte Haltung zu finden. Ich zog noch einmal die Uhr aus der Tasche. Wenn das in der Geschwindigkeit weiterging, konnten wir vielleicht gerade noch rechtzeitig zur Nachtschicht ankommen. Vielleicht sollte ich Ardin einfach hier lassen. Einen Jungen schicken, der in der Leman Street Meldung machte, dass der James sich eine fiese, ansteckende Krankheit zugezogen hatte und deshalb nicht zur Arbeit erscheinen konnte. Aber vermutlich würden sie dann direkt alle Cholera schreien und das ganze Viertel in Panik versetzen. Die letzten zwei Jahre waren die schlimmsten gewesen, so sagte man, doppelt so viele wie '32 hätte es erwischt. Aber vermutlich sagten sie das von jedem neuen Ausbruch. Die Leute waren auf der Hut, jetzt da es gerade wieder ein wenig besser ging. Da brauchte es keine Gerüchte über einen kranken DI. Krankheit war niemals gut. Besser sie warfen den James hinaus, als dass sie ihn auch nur für einen Tag für zu krank hielten zu arbeiten. Aber der Gregor sollte mich noch ein paar Jahre früher holen, wenn ich das nicht zu verhindern wusste.
Ich steckte die Uhr wieder ein. Der James wankte an mir vorbei. Na, was war das denn? Wir standen wieder auf eigenen Beinen. Gratulation. Spöttisch sah ich Ardin einen Moment hinterher, wie er durch den Gang schlurfte, dann trat ich zurück in meine Wohnung. Mein Blick blieb an der Dohle und Cyneburg hängen. Das Federvieh schnäbelte gerade zärtlich bemüht an einer Stelle hinter Cyneburgs Löffeln herum, die, wie der Köter mich wissen ließ, fürchterlich juckte und ich würde ihr ja nie den Gefallen tun dort mal zu kratzen. Abfällig wandte ich den Blick ab, konnte ja keiner mit ansehen so viel Zuneigung. Ich zog meinen Mantel an, griff nach meinem Hut. Dann sah ich einen Moment über den Raum hinweg, das Bett ließ ich wie es war, das würde ich heute Abend ohnehin neu beziehen müssen. Allein Ardins Hut klaubte ich vom Boden auf und wartete schließlich wieder an der Wohnungstüre, dass der große Held zurück kam und mich in die Leman Street geleitete. Herr in der Hölle, das mir das noch einmal wiederfahren musste.
Wortlos reichte ich Ardin den Hut, als er mich so galant darum ‚bat‘ und verschloss die Wohnungstür hinter mir, bevor ich den Weg voraus aus dem schäbigen Mietshaus wählte. Zu den nächsten Costers mit einem Frühstückskarren und dann in die Leman Street, nahm ich mir vor. Die Dohle und Cyneburg trabten uns wie üblich voran.