Ich richtete mich seufzend wieder im Stuhl auf, schob mich an den Tisch heran und öffnete die Augen weit um sie irgendwie unter Kontrolle zu kriegen. Dann zog ich mir einen Bogen Papier heran und tauchte die Schreibfeder in die Tinte, um irgendwie beschäftigt zu wirken, sollte sich einer der Constables in den Raum verirren weil er eine Wette verloren hatte oder mochte Satan wissen was sie sonst immer alle bei uns suchten. Aber die Buchstaben des vorgedruckten Formulars verschwommen vor meinen Augen. Und so begann ich nur wahllos irgendwelche Striche auf dem Papier zu zeichnen. Immerhin hielt mich das für den Moment bei Verstand. Schenkte sogar regelrecht Ruhe.
Es gefiel mir nicht, alleine im Büro zurück zu bleiben wie der verwundete Hund, den niemand sehen durfte. Und noch mehr hasste ich, dass es das Beste war und ich nicht einmal etwas dagegen sagen konnte. Rhode schützte mich, wie ich ihn einmal im Jahr schützte. Ich hätte mich freuen können, fand Jackdaw. Stattdessen hatte ich das üble Gefühl, dadurch nur noch mehr in Rhodes Schuld zu stehen und es gab nichts das ich mehr hasste. Wenn der einmal im Jahr soff, dann hatte der wenigstens einen Grund. Den hatte ich zwar auch, aber irgendwie fand ich, dass der dann doch wieder nicht dafür reichte, mich in Rhodes Schuld zu begeben. Na also, meinte Jackdaw, da kam auch mal jemand zur Vernunft. Dieses Federvieh. Ich würde es bald einmal wieder umbringen müssen, damit es sich daran erinnerte, mich in Frieden zu lassen.
Als sich die Tür zum Büro wieder öffnete hatte ich einen sauberen Hangman gezeichnet. Inklusive Maserung auf dem Holzbalken. Träge hob ich den Blick, aber ich erkannte die Schritte bevor ich das Brummen hörte. Komm schon. Kommen. Wohin? Fragend hob ich den Blick. Jetzt doch zu Mulligan, hatte er mich sauber verpfiffen oder wie? „Ich muss zum Friedkin und du pennst am besten noch eine Runde bei den Costers, bis Mittag solltest du wieder nüchtern sein, Mulligan hat schon Sehnsucht.“ Fast enttäuscht senkte ich den Blick zurück auf den Hangman auf meinem Formular. Betrachtete ihn einen Moment. „Hm.“, brummte ich knapp zurück. Dann atmete ich tief durch, legte die Feder weg, stand auf und setzte mit einer langsamen Bewegung meinen Hut wieder auf. Stehen ging immerhin wieder mit der Ladung Saloop intus. Auch wenn es die Kopfschmerzen nicht besser gemacht hatte, immerhin war mein Gleichgewichtssinn ein wenig stabiler als noch zuvor. Das mit der Sehnsucht konnte ich mir bei Mulligan sogar vorstellen. „Mulligan is ein astreiner Masochist.“, stellte ich fest, zog meinen Mantel über und wankte dann zu Rhode hinüber. „Was willn der Friedkin?“ Wenn es unseren sauberen Herrn „Ich bin Whitechapel und zwar nur die Hochglanzseite“ interessierte, dann lagen die Dinge für gewöhnlich im Bereich der lästigen Nebenaufgaben. Ich hatte wenig übrig für den Mann solange er nicht gerade meine Rechnungen bezahlte. Und das ließ ich ihn nur zu gerne wissen. Eine Tatsache über die Mulligan regelmäßig der Arsch auf Grundeis ging. Was mich wiederum nicht weiter kümmerte. Fast empfand ich es als schade, dass ich nicht mit Rhode kommen und einmal wieder meine Meinung äußern sollte. Hätte Spaß bringen können… Aber vermutlich war schlafen das vernünftigste. Nur ausgerechnet bei den Costern. Dann wusste Margory es sofort. „Du willst mich abladn?“, hakte ich nun doch nach, nur um noch einmal sicher zu gehen…


