Der Widerstand des Jungen hält nicht lange an. Dass ich ihm ohne zu zögern ruhig entgegen geblickt habe und seinen Augen ohne Mühe standgehalten habe, mag nur ein Grund dafür sein. Die anderen sind mir bislang ein Rätsel und als der Junge den Blick senkt, sich zu seinem Daemon hinunter beugt und ihn dann hoch auf die Sitzbank neben sich holt wie ein lebendiges Kuscheltier, frage ich mich was in dem Jungen vorgeht. Er besitzt Stolz, aber auch Furcht. Es ist als würden zwei Mächte in ihm ihren Kampf gegeneinander ausfechten. Immerhin sollte es wohl beruhigend sein, dass das hier keine alltägliche Situation für ihn darstellt. Sonst hätte es diesen Kampf nicht gegeben. So etwas ist schwer vorzutäuschen. Wenn der Junge eine Masche hat, so hat sie bisher nie funktioniert. Ich frage mich ob mich das als besonders mildtätig oder besonders naiv auszeichnet. Immerhin kann ich diesen kleinen Ausflug als Nächstenliebe ausgeben. Auf meiner Seite des Deals steht nichts zu verlieren. Auch wenn Nascha den Jungen gern als Satan persönlich abstempeln würde. Ich bin bereit das Risiko einzugehen.
Der Name also. Satan ist es nicht. Rory. Ein Vorname. Klangvoll. Aber ein Vorname. Nicht ungewöhnlich für ein Straßenkind, aber äußerst unpraktisch, wenn es darum geht, einen Pagen anzusprechen. „Und dein Nachname, Rory?“, hake ich in ruhigem Ton nach. Wenn der Junge schon mitfahren möchte, dann muss er auch das volle Programm mitspielen. Davon wird ihm nichts erlassen werden. Mein Blick wandert zu dem Katzendaemon hin. Es würde mir nicht im Traum einfallen, die Kätzin anzusprechen. Aber ihr Anblick, wie sie da in den Armen des Jungen kauert und schnurrt, bringt mich doch zum Nachdenken. Ich kann es mir vorstellen, wie die beiden auf der Straße nur sich selbst haben. Wie sie so eingeschworen auf sich selbst und ihr Überleben bedacht sind, dass ihnen egal ist, was andere über sie denken, solange sie nur davon kommen. Fast kindlich störrisch leisten sie sich diese Intimität in der Gegenwart eines Fremden. Und doch zeugt es davon, dass der Junge wieder zur Ruhe kommt. Immerhin das Fauchen hat dadurch aufgehört. Ich spüre Naschas abschätzigen Blick auf die Katze. So sehr sie vorgibt unser Abkommen zu hassen, so wenig würde es ihr in den Sinn kommen in der Gegenwart Anderer so zärtlich zu mir zu sein. Ich versuche mich daran zu erinnern wann ich sie das letzte Mal so zärtlich berührt habe, wann sie mich. Das letzte Mal an das ich mich erinnere, liegt weit in meiner Kindheit zurück.

